Sebastian Hosu: Neue Bilder
14. Oktober—11. November 2017

Der Ausschnitt aus dem malerischen Werk des Rumänen Sebastian Hosu gibt Einblick in eine ungestüme und satte Malweise. Die Szenen – so grob wie konzeptionell souverän angelegt – sind teils mit fragmentierten Figuren belebt. Hosu hat sie nicht aus einer Vollkommenheit herausgekürzt, sondern eher von einer wesentlichen Geste her gedacht und sie darauf reduziert. In der Verdichtung zu einer Bewegung oder einer Platzierung oder Interaktion kann Hosu seine Figuren auch in Teilen so stark behaupten, dass sich der Bildgehalt ergänzend einstellt. Flug und Fall, auch skulpturhafte Statik und angespannte Körperlichkeit zu zeigen gelingt ihm in wenigen Farbflächen.

Ähnlich die Leinwand; auch hier bleiben die Stellen frei, die eine Szene nicht braucht, die leeren Flächen um ein gegenständliches oder figürliches Konzentrat lassen den Raum dahinter zurücktreten und betonen das Vorhandene. So generiert Hosu einerseits Körperlichkeit mit der pastosen Stofflichkeit der erhabenen Farbmasse, an anderer Stelle gibt es kaum Pigmente, nur pure Leinwand.

Weglassen ist bei Hosu keine einfache Reduktion, es ist Konzentration auf die Kernstellen. Damit sind die Bildkompositionen nicht vordergründig harmonisch - jedoch klug ausbalanciert. Fülle und Fehlen sind auf überzeugende Weise ergänzt, wie in einer genialen Skizze, die in der Vorwegnahme eines Werkes seine Idee auf seine wesentlichen Momente zusammenfasst, indem sie die Schaltstellen betont, die Umgebung nur andeutet und sich zu Klarheit ordnet.

Überraschend deutlich gewinnt der Betrachter zusätzlich eine Vorstellung vom Malprozess. Aufgeregtheit und Farbtumult, Affekt und Anspannung im Bildgehalt werden fühlbar als Übertragung von Schwung und Ambition des Künstlers. Die ahnbare körperliche Auseinandersetzung mit Farbe und Leinwand erfordert überwiegend große Formate, die die Gesten des Malers auffangen und abbilden können.
—Von Tina Simon 

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Dr. phil. Tina Simon
Autorin und Publizistin, Leipzig 


Künstler Website:
www.sebastian-hosu.com

Sebastian Hosu geboren 1988 in Satu Mare [Sathmar, Satmer, Szatmárnémeti], RO
lebt und arbeitet in Leipzig, DE
2013–2016 Meisterschüler, Hochschule für Grafik und Buchkunst [HGB], Leipzig
2011–2012 Master at the Académie Royale des Beaux-arts, Painting section, Liege, BE
2009–2010 Bachelors degree at the University of Fine Arts and Design, Cluj-Napoca, RO
2008–2009 Erasmus scholarship at the Accademia Albertina di Belle Arti di Turio, IT
2007 Graduated in the Aurel Popp Art High School, Satu Mare, RO

Einzelausstellungen Auswahl
2017 »Neue Bilder«, Josef Filipp Galerie, Leipzig
»Tough Time« Brennecke Fine Art, Berlin
2016 »Creating Realities«, [mit Georg Brückmann], Rutger Brandt Gallery, Amsterdam, NL
»Menschen-Träume«, [Artist Talk mit Misheck Masamvu], KAAD, Bonn
2015 »Sun Outside«, KAAD, Bonn

Gruppenausstellungen Auswahl
2016 »Klasse Ottersbach«, Bayer-Kultur, Leverkusen 
2015 »Painting«, Triumph-Gallery, Moscow, RU
2014 »Die Pferde sind tot!«, Forum Kunst Rottweil
Galerie de Wégimont, Liége, BE
2013 »Drawing protest«, Galerie für Zeitgenössische Kunst [GfZK], Leipzig
2012 »G.U.E.S.T.S.3«, Brussels, BE
»Paintball«, Dubois Friedland Gallery, Brussels, BE
2011 »Plurality«, Académie Royale des Beaux-arts, Liege, BE
2009 Animation »Obscurus« projected ›2nd Annual Toronto Romanian Film Festival‹, Toronto, CA

Auszeichnungen

2017 »The Elisabeth Greenshields Award«, CA
2015 1st Prize »10. Kunstpreis Wesseling«, DE
1st Prize »ArtWalk«, Leipzig, DE
20142016 »KAAD Stipendium«, DE
2012 »The Elisabeth Greenshields Award«, CA
»Price Horlait«, Brussels, BE
Finalist »Herelbeke Prijs Beeldende Kunsten«, BE
2006 1st Prize »Drawing on ecology«, Satu Mare, RO 
Mention in the »National Painting Olympiad« [Competition], Timisoara, RO

 

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