Verena Landau

Waiting for Stars
In der Werkgruppe »Waiting for Stars« warten größere und kleinere, zufällig zustande gekommene Menschengruppen mehr oder weniger gespannt auf Kommendes, Veränderungen und Ereignisse. Das, was erwartet wird, lässt aber im wörtlichen Sinne auf sich warten. Die Menschen passen sich dieser Situation förmlich an, nehmen entsprechende Haltungen an, wirken wie eingefroren, indem sie auf Flächen starren, die einen Raum simulieren.

In »Waiting for Stars 02« betrachten junge Ausstellungsbesucher im MoMA New York ein»digital painting« von Jeremy Blake und warten auf den bildimmanenten Wechsel der Erscheinung. »Ich war von der Arbeit fasziniert, da sich das Bild permanent veränderte, von einem Sternenhimmel über quadratische Pixel in eine Farbfeldmalerei und zurück. Diese Wirkung habe ich aus der digitalen Fläche in den Raum übertragen. Ich selbst spiegle mich in der Verglasung, während ich junge Menschen bei ihrer Wahrnehmung von Kunst wahrnehme [und sie mich]. Dabei musste ich an Dan Grahams Definition eines Paradigmas konzeptueller Kunst denken: Intersubjektivität.« Eine eher gelangweilte, aber Geduld ausstrahlende Menschengruppe wartet in »Waiting for Stars 03« auf dem Marktplatz von Timişoara in Rumänien auf das Erscheinen eines Popstars. Die Situation wird überlagert durch Ereignisse am selben Ort zu einer anderen Zeit: Hier wie in vielen anderen rumänischen Städten wurden 1989 Demonstranten in blutige Kämpfe verstrickt, die schließlich zum Sturz des Diktators Nicolae Ceauşescus führten.

»Waiting for Stars 04« zeigt eine Situation auf dem Flughafen Marco Polo in Venedig. Für die auf die flugtechnische Abfertigung Wartenden sind in erster Linie Informationen zu den Abflugzeiten von Interesse; diese jedoch werden förmlich überdeckt durch überdimensionale sexistische Werbetafeln. Landau hat außerdem einen versteckten Hinweis auf Bestrebungen zur militärischen Umnutzung von Flughäfen im Bild untergebracht: Die kleinen Schaltermonitore zeigen ein Kriegsflugzeug mit amerikanischen Fallschirmspringern – etwas, was nur für die Wartenden in der von der Künstlerin geschaffenen Bildwelt existent ist.
—Von Frank Schulz

In: Verena Landau, Passages, Passengers, Places, Hirmer Verlag München, 2013, S. 98
Quelle [gekürzter, überarbeiteter Auszug]: Frank Schulz, Spektrum, hg. vom Institut für Kunstpädagogik, Universität Leipzig [Ausst.-Kat. Galerie im Neuen Augusteum, Universität Leipzig], 2013

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Prof. Dr. habil. Frank Schulz
Professor für Kunstpädagogik /Kunstdidaktik
Direktor des Instituts für Kunstpädagogik der Universität Leipzig
Vorstandsvorsitzender der Mehlhorn-Stiftung Leipzig
Herausgeber [zusammen mit Johannes Kirschenmann und Maria Peters] der Reihe
»Kontext Kunstpädagogik« beim kopaed Verlag München
Lebt und arbeitet in Leipzig
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