Wolfgang Ellenrieder in »Elsewhere—Sehnsuchtsbilder in
der zeitgenössischen Kunst«, Kallmann-Museum Ismaning
12. Juli—21. September 2014


»Elsewhere—Sehnsuchtsbilder in der zeitgenössischen Kunst« mit
Sven Drühl, Wolfgang Ellenrieder, Endy Hupperich, Johannes Karl, Iska Jehl, Kalle Laar, Philipp Lachenmann, Almut Linde, Hiroyuki Masuyama, Pietro Sanguineti, Corinna Schnitt, Barbara Spaett, Thomas Weinberger, Martin Wöhrl und Thomas Wrede.

Die Sehnsüchte der Menschen wurden schon immer durch Bilder ausgedrückt, deren Motivschatz sich in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat und bis auf den heutigen Tag Künstler inspiriert. Das Kallmann-Museum Ismaning zeigt ab dem 12. Juli zeitgenössische Werke, in denen Sehnsuchtsmotive verwendet werden, die jedem von uns aus der Kunstgeschichte, der Werbung oder dem Film vertraut sind – seien es die romantischen Landschaften Caspar David Friedrichs, der Sandstrand mit Palme im Sonnenuntergang, das Idyll der Alpen oder das bürgerliche Paradies des eigenen Gartens. Die Gemälde, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen der Ausstellung »Elsewhere« setzen diese Motive auf vielfältige Weise ein und reflektieren dabei auch unseren Umgang mit Sehnsuchtsbildern sowie deren fortwährende Tradierung.

Kollektive Sehnsüchte werden in hohem Maße von massenmedial verbreiteten Bildern genährt, die in Fernsehen und Kino, im Internet, in der Werbung oder in Zeitschriften allgegenwärtig sind. Vor der Erfindung der Fotografie aber waren es in erster Linie die Maler, die Bilder schufen, in denen Sehnsüchte ausgedrückt und verbreitet wurden. Ihre Gemälde waren maßgeblich daran beteiligt, Sehnsuchtsorte wie die Südsee oder die Alpen überhaupt erst als solche entstehen zu lassen. Doch betrafen solche Sehnsüchte nach fernen Ländern nicht nur den schlichten Wunsch, an einem anderen Ort zu sein und neue Eindrücke zu gewinnen, immer ging und geht es beim Reisen bis heute auch darum, eine Veränderung des eigenen Zustands zu erreichen, dem Alltag eine neue Erfahrungswelt entgegenzusetzen. Darin sind die Reisemotive den romantischen Landschaftsbildern etwa von Caspar David Friedrich verwandt, in denen Natur als Projektionsfläche für Empfindungen und mystisch-religiöse Vorstellungen einer heilen fernen Zukunft dient.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden bestimmte Bildmotive gewissermaßen zu Chiffren für diese Sehnsuchtsorte und Empfindungen, die bis heute nahezu unverändert tradiert werden, etwa der Strand mit Palmen, Sonnenuntergänge, Bergidyllen, weite Landschaften oder Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer. Diese Sehnsuchtsmotive sind auch in der zeitgenössischen Kunst präsent, wo sie allerdings nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form verwendet werden, sondern gebrochen, mit neuen inhaltlichen Aussagen versehen und ihre Verwendung und Rezeption reflektierend.

Neben der Sehnsucht nach der Ferne, nach der Flucht aus der Alltäglichkeit wurde aber auch der Rückzug in die bürgerliche Idylle, in die heile Welt der Geborgenheit zu einem beliebten Bildtopos, der im Biedermeier einen Höhepunkt erlebte und sich bis heute etwa in der Werbung für Bausparverträge und Eigenheimsiedlungen erhalten hat.

Die Ausstellung »Elsewhere—Sehnsuchtsbilder in der zeitgenössischen Kunst« im Kallmann-Museum Ismaning untersucht die Verwendung dieser unterschiedlichen Bildmotive in der zeitgenössischen Kunst anhand von Gemälden, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten und Installationen. Die ausgewählten Arbeiten nehmen Bezug auf die kitschigen Klischees der Reiseindustrie, auf die immer gleichen Fotos von Touristen, auf romantische Landschaftsbilder sowie auf die Idylle des Kleinbürgerlichen, das im Garten einen Paradiesersatz gefunden hat.

Kallmann-Museum Ismaning
Schloßstraße 3b · 85737 Ismaning
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 14:30 bis 17:00 Uhr

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