Rosi Steinbach »Depot« in »Gedanken Raum geben«
Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig
24. November 2016—28. Mai 2017

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GRASSI Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5—11, 04103 Leipzig
Dienstag—Sonntag, Feiertage 10—18 Uhr 

— Gedanken Raum geben
:

Rudolf Bott, Barbara Falkner, Corina Forthuber, Sophie und Franziska Hoffmann,
C. F. Müller,  Osmar Osten, Emil Siemeister, Hector Sólari,
Rosi Steinbach und Dagmar Varady.

Anlässlich des Reformationsjubiläums erschaffen Künstler und Architekten Räume, die uns trotz unseres von Schnelligkeit geprägten Lebensstils Orte der Meditation und des Innehaltens bieten. Sinnliche Materialien laden zum haptischen Raum-Begreifen ein, mediale Projektionen erschließen Raum-Erfahrungen, reale Körper definieren Hülle und Raum, audio-visuelle Abgrenzung macht Räume sichtbar. Die Vielfalt dieser aktuellen Positionen spiegelt nicht nur die Möglichkeiten einer offenen Gesellschaft wider, sondern stellt auch Neuinterpretationen unseres Urbedürfnisses nach Besinnung vor. 


Rosi Steinbach: Depot 
Rauminstallation, Ton gebrannt, glasiert, teilweise bemalt, teilweise Materialkombinationen

Meine Keramikobjekte sind keiner bestimmten Religion, keinem Kult und keinem bestimmten historischen oder kulturellen Zusammenhang zugeordnet. Es sind meist unprätentiöse, realistische Abbildungen von Wesen oder Gegenständen. Es sind Dinge, von denen ich glaube, dass sie eine gewisse Kraft ausstrahlen, die, wenn man den Gedanken dazu Raum gibt, einen ganz subjektiven und doch kollektiv geprägten Assoziationsfluss bewirken können.

Schlangen zum Beispiel lösen bei vielen Menschen Angst, Entsetzen oder Faszination aus. Adam und Eva, als sie noch unschuldig waren, haben sich von der Schlange offenbar nicht erschrecken lassen. Seit dem Sündenfall sind wir jedoch vor ihr auf der Hut. Meine Schlangen hängen an der Wand wie aufgerollte Gartenschläuche, so als wären sie dort aufbewahrt. Möglicherweise warten sie auf den richtigen Augenblick, um aktiv zu werden.

Wenn der Affe einen Blumenstrauß in den Raum hält, könnte man das an einem guten Tag für eine nette Geste halten. Aus dem natürlichen Lebensraum des Affen stammen die Blumen aber nicht. Und ob man es als ein freundliches Lächeln deuten kann, wenn der Schimpanse die Zähne zeigt, ist auch nicht sicher.

Der Pudel ruht mit edelsteinbesetztem Halsband auf einer Art Sänfte, die an ein chinesisches Möbel erinnert. Heißt es nicht, dass in China Hunde gegessen werden? Dieser hier ist offenbar so wohlhabend, dass er sich darum keine Sorgen machen muss und es schon zu einem hohen Alter gebracht hat oder zumindest zum Laufen zu bequem ist und sich tragen lässt. Mephisto ist als schwarzer Pudel aufgetreten. Was sich hinter einem schwarzen Hund verbirgt, kann man nie wissen.

In meinem Depot sind diese Objekte aufbewahrt und warten darauf, dass jemand sie entdeckt und mit sich, mit seiner Zeit und zueinander in Beziehung bringt. Die Damen und Herren und die Kinder in den Regalen machen sich dazu ihre Gedanken. Die Besucher können gern die eine oder andere Büste auswählen und ihrerseits über die Person nachsinnen, die da abgebildet wurde.

 

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