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Eamon O´Kane – Josef Filipp Galerie

Eamon O´Kane

Perfect Spaces 
Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens beschäftigt sich Eamon O’Kane mit existierenden Orten und Architekturen, die jeweils von ihrer kulturellen Widmung und Nutzung sowie ihrem programmatischen Anspruch geprägt sind und darin großen Einfluss besitzen. Ebenfalls sind für ihn Fragen von Gestaltung dieser Orte und Architekturen wesentlich, sei es in der Graphik von Verkehrsschildern, in den Farben und Mustern von Oberflächen, im Design von Mobiliar oder in der Wahl der Materialien sowie von Baustilen.

Eamon O’Kane verwendet verschiedene Medien wie Zeichnung, Malerei, Installation, Fotografie und Film, wobei er diese vielfach seriell einsetzt und auch kombiniert. Wenngleich seine Werke durch Abbildungen, Referenzen oder Zitate deutlich die motivischen Vorlagen aufgreifen, so hat er sich doch eine eigene künstlerische Sprache entwickelt. 

Zu den ersten Projekten von Eamon O‘Kane ab Ende der 90er Jahre gehören fotografische Serien von Großstadtlandschaften [...Negative Mirror, 1996-2001] und Straßenschildern [SIGN, 2001-2005], die bereits wichtige Aspekte im Werk des Künstlers beinhalten. Der Titel Negative Mirror verweist auf das in der gespiegelten Stadtlandschaft nicht sichtbare Positiv des doch immer anwesenden Menschen, und auch die Straßenschilder verdanken ihre Existenz nur ihren potentiellen Rezipienten. Der Mensch erscheint hier als Verursacher und Adressat der durch eine spezifische Ästhetik definierten und determinierenden Umwelt. 

Parallel entstehen großformatige Zeichnungen [City Panorama Series, 1998-1999], in denen sich Gebäude vor dem Panorama einer Stadt behaupten und auch innerhalb dieses topographischen Rasters einfügen müssen. Und es folgen drei Serien von Gemälden, mit denen Eamon O‘Kane einen thematischen Aspekt focussiert, der sein Werk bis heute maßgeblich prägt. Es handelt sich um das Thema des Studios. Mit Studio in the Woods Series, 2003/2004, Studio House Series, 2004, und Ideal Studio Series, 2004-2007, beschäftigt sich O’Kane mit dem Künstlerhaus und seinem idealen Ort. 

Der Begriff des Studios hat eine lange Tradition, auf die sich O’Kane bewusst bezieht. Das Studio bezeichnet den Arbeitsplatz eines kreativen Menschen, einen dem Studium und der Beschäftigung mit den Künsten gewidmeter Raum, einen Ort der Arbeit, aber auch der Kontemplation. 

Eamon O’Kane zitiert nun in seinen Gemälden in der Realität existierende Häuser von großen Architekten verschiedener Generationen und Herkunft wie u.a. Frank Lloyd Wright, Elam & Bray, Helmut Jahn oder Lacaton+Vassal, deren Gemeinsamkeit eine der Moderne und dem Minimalismus verpflichteten Sprache ist. Diese Gebäude erhalten in den Bildern nun einen neuen Kontext, denn sie werden einzeln in eine Waldlandschaft versetzt. Die modernen Architekturen nun ganz allein und ohne jegliche Infrastruktur in der Natur werden nicht nur zu idealen Rückzugsorten, sondern scheinen auch schutzlos einer Wildnis ausgesetzt. So verbindet O’Kane in seinen Bildern die immer wieder bis heute tradierten Vorstellungen des idealen Bauens in der Moderne und des Künstlers als einsames Genie.

Aber Eamon O’Kane beschäftigt sich nicht nur mit Architekturen, die durch ihre Gestalt oder ihre Umgebung zu Künstlerhäusern mutieren [können], sondern auch mit real existierenden Künstlerhäusern, die er modellhaft und ausschnitthaft abbildet. Ihn interessiert hierbei die künstlerische Grundfrage nach Form und Inhalt. Denn ein Künstlerhaus ist nicht nur der Ort für die Produktion von Kunst, sondern auch der Ort, der in seiner Gestaltung das Selbstverständnis eines Künstlers spiegelt.

Mit Eames Studio Limerick entwickelte Eamon O‘Kane ein Gehäuse aus einer Holzkonstruktion, dessen Wandungen mit  farbigem Papier geschlossen sind. Modellhaft zitiert es das 1949 gebaute Haus und Studio des Designer- und Architektenpaares Charles und Ray Eames in der küstennahen Umgebung von Los Angeles. Das Eames House, auch als Case Study House Nr. 8 bekannt, entstand im Rahmen eines Auftrags von insgesamt 25 solcher Case Study Häuser, die das John Entenzas Arts & Architecture Magazin publizierte. Die weiße Fassade mit ihren geometrischen schwarzen Rahmungen und farbig gefassten Wandpaneelen erinnert an eine Komposition von Mondrian. Das von Bäumen umstandene Haus diente als Wohnraum und Studienort und war angefüllt mit Sammlungs- und Designobjekten.

Eamon O’Kane referiert nun mit seinem Werk auf die Bedeutung von Charles und Ray Eames, die nicht allein in Architektur und Design Maßstäbe setzen, sondern auch in den Bereichen Fotografie, Ausstellungskonzeption und Multimedia-Präsentationen tätig waren. Eamon O’Kane also übernimmt gleichsam diese Bereiche auch für sein Haus.

Das Eames Studio Limerick besteht aus zwei Räumen, die miteinander verbunden sind, aber auch über eigene Zugänge verfügen. Ein Raum definiert sich als Archiv und Dokumentationsraum. In Anlehnung an das Haus des berühmten Architektenpaares beinhaltet es Quellenmaterial über die Entwicklung von Architektur und Design des 20. Jahrhunderts bis heute. Es ist ein Raum zum Reflektieren und Forschen, zum Lesen der Schriften oder Betrachten ihrer Filme. Der zweite Raum dient als Werkstatt und als edukativer Raum zugleich. Hier finden sich Bildvorlagen sowie Bau- und Zeichenmaterialien, von Friedrich Fröbel und Charles und Ray Eames entwickelte Spiele nicht nur für Kinder.

Charles Eames wie bereits auch sein Vorbild Frank Lloyd Wright wurden beide nach der sogenannten Fröbel-Methode erzogen. Der deutsche Pädagoge Friedrich Fröbel [1782-1852] gehörte zu den Pionieren der Kindererziehung, der in das Zentrum seiner Lehre das Spiel als typisch kindliche Lebensform und Bildungswert verankert. Seine Spielgaben und Lernmaterialien sind bis heute anerkannt, darunter die von ihm entwickelten und bis heute gültigen pädagogischen Grundformen Kugel, Zylinder und Würfel. Fröbels Bauformen und Bewegungsspiele dienten auch als Inspirationsquelle für Künstler Abstrakter Kunst und der Bauhausbewegung.

Dieses aus historischen Vorbildern abgeleitete symbiotische Zusammenspiel von Architektur, Kunst, Design und Lehre setzt O’Kane bei seinen Arbeiten A History of Play: Froebel Studiosowie A History of Play: Froebel Eames Studio und 2011 ebenfalls bei seiner Arbeit Cardboard Modernist Furniture Workshop fort.

Die interaktive Arbeit Cardboard Modernist Furniture Workshopbesteht aus einem Raum, der von Wand-Elementen und Objekten geprägt ist, die sich auf die Architektur von Frank Lloyd Wright und Le Corbusier, die Malerei von Piet Mondrian sowie die Möbel von Charles und Ray Eames beziehen. Plakate zeigen Designobjekte, auf Tische gelegte Baumaterialen aus Pappe und Werkzeuge werden den Besuchern zur Verfügung gestellt.

In dem Zusammenhang der Studio-Arbeiten von Eamon O’Kane ist auch Architect’s Study zu nennen, ein begehbares Architekturmodell aus einer simplen offenen Holzkonstruktion nach dem sogenannten Glass House von Philip Johnson, wie das Eames House ebenfalls aus 1949. Die Architektur lediglich aus Glaswänden und einem einzigen Raum widersetzte sich der tradierten Vorstellung eines Wohnhauses.

In der von allen Seiten einsehbaren und nicht weiter möblierten Installation Eamon O’Kanes wird ein Film gezeigt, der als Loop eine Folge von Gemälden des Künstlers vorstellt, die das Glass House in unberührter Natur zeigen. Ergänzt wird dieses Ensemble um Gemälde mit weiteren Architekturen von Philip Johnson, die in die Natur versetzt sind.

Alle hier genannten von Eamon O’Kane entwickelten raumgreifenden Installationen thematisieren nicht allein bestimmte Architekturen, sie übertragen auch die zitierten Situationen auf das eigene künstlerische Verfahren. Die Referenzen zur Architektur sind selbst Architekturen: die Gemälde und die begehbaren Installationen ermöglichen parallele Erfahrungen und Tätigkeiten wie ihre realen Vorbilder. So werden die Studios zu einer Bühne für die Besucher, denn erst durch das aktive Benutzen der angebotenen Materialen wie der Spielgaben, Dokumente oder Filme wird das Potential des Kunstwerks ausgeschöpft. Es sind interaktive Orte, die den Besucher zu einem integrativen Bestandteil der Installation machen. Die Besucher schauen und handeln nicht nur selbst, sondern sie werden in ihrem Tun auch wieder betrachtet, sie sind Rezipient und Akteur zugleich, sodass immer auch das Verhältnis zwischen dem Subjekt und dem Außen mit ausgestellt wird.

Es ist interessant, dass in dem Kunstwerk etwas komprimiert stattfinden kann, das sonst getrennt erfolgt: die Betrachtung des Kunstwerks, seine Benutzung, seine Erfahrung sowie seine Vermittlung finden an einem Ort zeitgleich statt.

Die Studios werden so nicht allein als Studio abgebildet, sondern durch die Interaktion der Besucher als Studio benutzt. Diese Idee der Gleichzeitigkeit von analytischer Erkenntnis und physischer Erfahrung ist eine zentrale Intentionen der konzeptuellen Arbeiten von Eamon O’Kane, mit denen er ebenfalls auf die Kunst der 60er Jahre referiert. Als weitere Strategie des künstlerischen Arbeitens von Eamon O’Kane ist die Aneignung im Sinne der Appropriation Art zu nennen. Hierzu gehört das modifizierte Zitat der Gebäude ebenso wie die Integration der originalen Spielgaben. Die Arbeiten von O’Kane mit ihren wissenschaftlichen Dokumenten könnten auch als Archiv oder research-based-projects bezeichnet werden. Sie sind partizipativ in dem Sinne, dass das Publikum durch die Benutzung der angebotenen Materialien die Arbeit verändern kann. Die klaren Grenzen zwischen Produktion und Rezeption sind durchlässig geworden.

Die Aspekte von klar definiertem Kunstwerk bis hin zur Durchlässigkeit desselben, von passiver, kontemplativer zur aktiven, am Geschehen mitwirkenden Rezeption, von der Ausstellungssituation als neutralem Rahmen, der das Objekt vom Alltagsleben abgrenzt, bis hin zur Intervention in den öffentlichen Raum kennzeichnen die Arbeiten von Eamon O‘Kane. Seine Werke wandeln sich zu Orten, die durch die Kooperation und Kommunikation von Subjekt und Objekt geprägt sind: es handelt sich um soziale Gebilde. 
Von Angelika Nollert

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Dr. Angelika Nollert ist Direktorin
der Neuen Sammlung München — The International Design Museum Munich,
in der Pinakothek der Moderne in München und dem Neuen Museum Nürnberg
sowie für das Internationale Keramik-Museum in Weiden /Oberpfalz.

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